Kurzatmigkeit, Husten und fehlende Belastbarkeit – für immer mehr Pferde und ihre Besitzerinnen bestimmt eine Asthmaerkrankung den Alltag. Früher wurde diese Erkrankung häufig als Chronic Obstructive Pulmonary Disease (COPD) beim Pferd bezeichnet. Viele Pferdebesitzerinnen setzen große Hoffnung in medikamentelle Therapieversuche und erleben Ernüchterung: Solange die Haltung nicht optimiert wird, sind Behandlungserfolge nur von kurzer Dauer. Der wichtigste Schlüssel, um die Symptome von Pferdeasthma langfristig in den Griff zu bekommen, ist die radikale Reduktion von Staub in der Stallumgebung. Damit geht ein erheblicher Mehraufwand einher und gerade Einstellerinnen stehen oft vor organisatorischen Herausforderungen. Dennoch lohnen sich die Anpassungen, damit selbst schwere Fälle wieder frei atmen können und die Medikamente nicht als Tropfen auf dem heißen Stein verpuffen.
In diesem Artikel erfahren Sie:
- welche Relevanz Staub im Stall hat.
- wie sich die Staubbelastung reduzieren lässt.
- ob Heu wässern oder bedampfen sinnvoll(er) ist.
- welche Einstreu für Asthmapferde geeignet ist.

Staub in der Umgebung ist einer der wichtigsten Faktoren bei equinem Asthma.
Staubreduktion schadet nie – auch gesunde Pferde können davon profitieren. Bevor jedoch konkrete Maßnahmen für den Atemwegspatienten geplant werden, sollte eine tierärztliche Diagnose gestellt werden. Equines Asthma wird meist durch eine klinische Untersuchung, eine Endoskopie der Atemwege und gegebenenfalls eine bronchoalveoläre Lavage bestätigt. Eine ausführliche Erläuterung zur Diagnostik finden Sie im Artikel „Husten beim Pferd – ein Leitfaden zur Diagnostik“.
Warum Stallluft nicht gleich Atemluft ist
Eine Studie von Woods et al. (1993) hat eindrucksvoll gezeigt, wie sehr wir die Belastung mit respirablem (einatembarem) Staub unserer Pferde unterschätzen. Als respirabel gelten Staubpartikel, die eine Größe von 5 µm nicht überschreiten und bis in die kleinen Lungenbläschen vordringen können. Die ForscherInnen verglichen ein konventionelles Stallmanagement (Heu und Stroh) mit einem optimierten System (Holzspäne und Pelletfütterung). In beiden Fällen waren die Pferde in einem Boxenstall untergebracht.
Der Vergleich der mittleren Belastung ist deutlich: Im konventionellen System enthält die Luft mehr als doppelt so viele respirable Staubpartikel wie im optimierten System.
Richtig erschreckend wird es bei einer Messung in der Atemzone des Pferdes. Dazu wurden Messgeräte am Halfter angebracht, die die vermehrte Einatmung von Partikeln bei tiefer Kopfhaltung oder beim Fressen widerspiegeln. Während die Stallluft im konventionellen Stall etwa 0,44 mg/m³ Staub aufwies, explodierte der Wert in der direkten Umgebung der Nüstern auf 9,28 mg/m³. Das Pferd atmet also selbst bei moderater Gesamtbelastung in einer Art hochkonzentrierten Staubwolke. Durch die Optimierung von Futter und Einstreu konnte die Belastung auf 3% des Ausgangswertes gesenkt werden. Während der Vorteil bei einer Standardmessung auf der Stallgasse eher unter nice-to-have fällt, zeigt sich hier, wie groß der Hebel durch eine staubreduzierte Haltung wirklich ist.
Neben der Reduktion der Gesamtstaubmenge wurden die spezifischen Belastungen durch Pilzsporen, die für Asthmatiker besonders relevant sind, gemessen. Hier bewirkten die Alternativen in Futter und Einstreu eine Reduktion um fast 50%.

Beim Fressen entsteht in der Atemzone des Pferdes oft eine konzentrierte Staubwolke.
Die individuelle Staubwolke – und was wir gegen sie tun können
Ivester et al. untersuchten 2012 die Staubbelastung in der direkten Atemzone des Pferdes. Hierbei konnte nachgewiesen werden, dass Abweichungen nicht nur durch die Wahl von Futter und Einstreu, sondern auch durch das individuelle Verhalten des Pferdes zu Stande kommen. Denn Wälzen oder Scharren wirbelt zusätzlich Staub auf. Es lohnt sich, zum Beispiel bei vermehrt auftretendem Scharren zur Fütterungszeit, das Stallmanagement zu hinterfragen und nach Alternativen zu suchen.
Besondere Staubspitzen wurden im Zusammenhang mit der Stallarbeit aufgezeichnet. Während gemistet oder gefegt wurde, steigt die Staubkonzentration um den Faktor 6-7. Dass diese Arbeiten nicht ausgeführt werden sollten, während sich Pferde im Stall aufhalten, ist hinlänglich bekannt. Die Verweildauer von Partikeln mit einer Größe von 5 µm in der Luft beträgt jedoch etwa 100 Minuten. So lange sollte also mindestens zusätzlich zwischen Stallarbeit und Reinholen der Pferde abgewartet werden. Ein weiterer Punkt ist die Mehrbelastung durch Fütterung aus Heunetzen. Verglichen mit der Fütterung vom Boden konnte dabei eine 4-fach höhere Staubbelastung in der Atemzone nachgewiesen werden.
Ein wichtiger Einflussfaktor auf die Staubbelastung in Gebäuden ist die Belüftung. Geschlossene Stalltüren erhöhen die Konzentration von lungengängigem Staub unmittelbar um 25-30%. Beim Stallbau sollte daher unbedingt an den Faktor Belüftung gedacht werden. Wenn geschlossene Tore die einzige Möglichkeit sind, Zugluft zu vermeiden, ist der Stall falsch geplant.
Heu bei Asthma – Wässern, bedampfen oder doch lieber Heulage?
Trockenes Heu ist der Standard in der Pferdefütterung. Gerade in Gruppenhaltungen sind Alternativen aufgrund des Aufwands oftmals kaum darstellbar. Dass Heu mit einem gewissen Maß an Staub belastet ist, ist zunächst einmal produkttypisch. Verschiedene Faktoren in Herstellung und Lagerung können jedoch zu einer erhöhten mit Belastung mit Schimmelpilzen und Staub führen. Als Faustregel kann man sagen, dass ein „schlechtes Heu“ etwa zwölfmal mehr Staub enthält als ein „gutes Heu“, wobei selbst dieses noch etwa sechsmal so stark staubt wie eine Heulage. Bei allen weiteren Behandlungen sollte zunächst die Grundqualität hinterfragt werden. Aus einem schlechten Heu wird auch durch Bedampfen oder Wässern kein einwandfreies Futtermittel.
Durch klimatische Veränderungen wird es zunehmend schwierig, qualitativ hochwertiges Heu zu produzieren und zu lagern. Ob Grasheu in einigen Jahrzehnten noch die gleiche Bedeutung in der hiesigen Pferdefütterung haben wird, ist daher fraglich. Liegt jedoch eine gute Grundqualität vor, können Methoden wie das Bedampfen oder Einweichen des Heus die Atemwegsbelastung deutlich reduzieren. Die kurzfristig einfachste und kostengünstigste Option ist das vollständige Wässern. Dazu wird das Heu für einen Zeitraum von mindestens zehn Minuten zum Beispiel in einem IBC-Tank getaucht. Nährstoffe werdend aber teilweise ausgewaschen, was bei der Gesamtration des Pferdes Berücksichtigung finden muss. Auf lange Sicht ist das Wässern zudem mit erheblichem Mehraufwand verbunden. Um mikrobiellen Verderb zu verhindern, sollte das eingeweichte Heu keinesfalls länger als sechs Stunden, bei warmen Temperaturen auch weniger, liegen. Außerdem muss das Wasser nach jeder Heuwäsche abgelassen werden und sollte nicht wieder verwendet werden.
Eine komfortablere Alternative ist das Bedampfen. Ein Heubedampfer ist zwar teuer, das Heu bleibt nach der Behandlung aber etwa 24 Stunden mikrobiell stabil. Ein Gerät für ca. 2000€ kann etwa 10 kg Heu in einer Stunde „zubereiten“. Der Aufwand ist also immer noch erheblich. Verglichen mit dem Wässern ist er aber bei kleinen Mengen das geringere Übel. Ein herkömmlicher Bedampfer benötigt einen normalen Haushaltsstromanschluss. Vom Selbstbau wird dringend abgeraten, da eine ungünstige Temperaturverteilung das Gerät zu einer Gärkammer werden lässt und somit mehr schadet als nützt. Korrekt durchgeführt reduziert das Bedampfen den respirablen Staub zunächst um etwa 94%, wobei nach 24 Stunden Lagerung immer noch etwa 79% weniger Staub nachgewiesen werden als im Ausgangsheu. Natürlich profitiert das Pferd von diesem Effekt nur dann, wenn das bedampfte Heu nicht zwischendurch wieder in einer staubigen Umgebung vor der Box gelagert und neu kontaminiert wird.

Heulage kann eine gute Alternative zu trockenem Heu sein – sie enthält nur etwa ein Sechstel der Staubbelastung
Alternativen zu Heu sind reine Weidehaltung oder Heulagefütterung. Bei Verfügbarkeit einer guten Heulagebprofitieren die Pferde von der geringen Staubbelastung. Außerdem ist die stabile Lagerung der folierten Ballen einfacher als bei Heu. Allerdings müssen die Ballen innerhalb weniger Tage nach Anschnitt verbraucht werden, da er sonst verdirbt. Das ist bei einer geringen Pferdeanzahl schwierig. Bei Verunreinigungen in der Produktion (z.B. mit eingemähte Tierkörper) kann es außerdem zur Bildung von Toxinen und in der Folge zum gefährlichen Botulismus kommen. Diese Gefahrenquelle sei zwar der Vollständigkeit halber erwähnt, die Qualität von derartig kontaminiertem konventionellen Heu darf jedoch ebenfalls hinterfragt werden.
Heucobs als alleiniges Raufutter wären zwar positiv für die Atemwege. Das natürliche Kaubedürfnis des Pferdes wird damit jedoch nicht langfristig erfüllt. Die Gefahr von Verdauungs- und Verhaltensproblemen spricht gegen Weichfutter als Heuersatz.
Einstreu – alles ist besser als Weizenstroh
Die Staubbelastung kann durch Stroh-Alternativen deutlich reduziert werden. Welche Einstreu sich eignet, muss im Einzelfall individuell entschieden werden – staubärmer als Weizenstroh sind sie letztlich alle.
Bei der Auswahl sollten neben der Staubbelastung auch die Ammoniakbindung, die Wasseraufnahmekapazität sowie die Tendenz zur Schimmelbildung berücksichtigt werden. Im Alltag können außerdem Faktoren wie Mistabholung, Beschäftigungswert für das Pferd und natürlich der Preis eine Rolle spielen.
Zu beachten ist, dass nich nur die individuelle Einstreu Auswirkungen auf das Asthmapferd hat. Die besten Pellets nützen nichts, wenn die Nachbarpferde weiterhin im Weizenstroh scharren und permanent Partikel aufwirbeln. Dasselbe gilt für die Lagerung von Heu und Stroh im Stall. So praktisch kurze Wege für die Stallarbeit auch sein mögen, zum Schutz der Atemwege gehören die Ballen in eine Scheune oder eine vergleichbare Lagermöglichkeit außerhalb des Stallgebäudes.
Reitböden
Bei der Haltungsoptimierung sollte man auch die Reitböden begutachten. Selbst wenn der Asthmapatient nicht auf dem betreffenden Untergrund gearbeitet wird, kann die räumliche Nähe ausreichen, um sich negativ auf die Staubbilanz in der Atemzone auszuwirken. Grundsätzlich sollte daher auf eine regelmäßige, ausreichende Bewässerung der Tretschicht und die agute Belüftung von Reithallen geachtet werden. Verbindungstüren zum Stall sollten zu Gunsten der dort befindlichen Pferde während des Trainings geschlossen bleiben. Der Bodenbelag selbst kann ebenfalls einen Einfluss auf die Lungengesundheit haben, wobei die genauen Auswirkungen von anorganischen Silikaten, Holzstaub oder Mikroplastik auf die Lunge noch nicht vollständig bekannt sind.
Fazit – wir brauchen mehr Zeit!
Eine konsequente Optimierung der Pferdehaltung kann erstaunlich schnell zur Linderung von Atemwegssymptomen führen. Bis zur maximalen Verbesserung kann es jedoch bis zu drei Monate dauern. Es braucht also ein gewisses Maß an Geduld, um Erfolge abschließend beurteilen zu können. Hier kann eine zusätzliche medikamentelle Therapie parallel zu den sonstigen Veränderungen den Leidensdruck vermindern und den Start in ein zukünftig stabiles Atemwegsmanagement ermöglichen.
Checkliste: 5 Sofortmaßnahmen bei equinem Asthma
Wenn die Diagnose gestellt wurde, können diese Maßnahmen die Staubbelastung im Stall sofort reduzieren:
- Heu wässern oder bedampfen
- Staubarme Einstreu verwenden
- Pferde während der Stallarbeit aus dem Stall bringen
- Für gute Belüftung sorgen
- Heu lose vom Boden füttern
Wenn die Atemwegssymptome nicht besser werden
Trotz Haltungsoptimierung bleiben bei manchen Pferden Atemwegsprobleme bestehen oder die Symptome kehren immer wieder. In solchen Fällen lohnt sich ein genauer Blick auf die bisherige Diagnostik und das Management.
In meiner Lungensprechstunde für Pferde mit Atemwegserkrankungen biete ich eine strukturierte Online-Beratung sowie eine Zweitbeurteilung vorhandener Befunde an. Gemeinsam schauen wir unter anderem auf:
- bisherige Untersuchungsergebnisse (Endoskopie, BAL,…)
- Haltung, Fütterung, Stallmanagement
- mögliche Auslöser für wiederkehrende Symptome
Ziel ist es, individuelle Ansatzpunkte zu finden, um die Atemwegsbelastung des Pferdes dauerhaft zu reduzieren. Weitere Informationen zur Lungensprechstunde finden Sie hier.
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